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Hohe Verfügbarkeit in ArcGIS Enterprise

Organisationen benötigen häufig einen bestimmten Grad an Betriebszeit für ihre ArcGIS Enterprise-Bereitstellungen, z. B. 99 Prozent oder höher. Für diese Organisationen ist das Implementieren einer Strategie zur Sicherstellung hoher Verfügbarkeit unverzichtbar. Dabei müssen sowohl Infrastrukturelemente als auch die Arbeitsmethoden der Mitarbeiter berücksichtigt werden – eine hohe Verfügbarkeit kann nicht mit nur einem dieser Aspekte garantiert werden. Weitere Informationen zu Überlegungen zur hohen Verfügbarkeit, Designmuster und Empfehlungen finden Sie im Architecture Center.

Die Infrastrukturkomponente einer Hochverfügbarkeitsstrategie beinhaltet die Verwaltung von mindestens zwei aktiven Kopien der Bereitstellung sowie das Implementieren von Failover-Mechanismen. Diese sorgen nach dem Ausfall eines Computers für den automatischen und zeitnahen Wechsel von der primären zur Standby-Bereitstellung. Die Standby-Bereitstellung empfängt fortwährend dieselben Aktualisierungen der Inhalte und Einstellungen wie die primäre Bereitstellung. Dies unterscheidet hoch verfügbare Systeme von replizierten Systemen, die regelmäßige Sicherungen erfordern, um Datenverlust zu minimieren, und für die kein automatisches Failover erfolgt. Alle erfolgsentscheidenden oder unternehmenskritischen Elemente einer Anwendung müssen beim Implementieren hoher Verfügbarkeit einbezogen werden.

Die menschliche Komponente einer Hochverfügbarkeitsstrategie besteht aus in der Organisation festgelegten Vorgehensweisen, die ein stets erfolgreiches und effizientes Failover sicherstellen. Beispielsweise sollten in einem hoch verfügbaren System die Computerwartung oder Systemaktualisierungen nie sowohl auf die primäre als auch auf die Standby-Bereitstellung angewendet werden. Zudem muss immer ein Systemadministrator verfügbar sein, der seine Aufgaben wahrnimmt, falls es zu einem Ausfall kommt.

In den Themen dieses Abschnitts werden das Konfigurieren und Verwalten einer hoch verfügbaren ArcGIS Enterprise-Bereitstellung erläutert.

Wann ist eine hohe Verfügbarkeit sinnvoll?

Eine hoch verfügbare ArcGIS Enterprise-Bereitstellung ist komplex, und ihre Konfiguration und Verwaltung erfordern Zeit, Aufwand und Kosten. Es ist wichtig, dass Sie ermitteln, ob hohe Verfügbarkeit für Ihre Organisation erforderlich ist. Organisationen, die hohe Verfügbarkeit erwägen, sollten sich u. a. die folgenden Fragen stellen:

  • Verfügt Ihre Organisation über eine obligatorische Service-Level-Vereinbarung?
    • Welcher Prozentsatz an Betriebszeit wird durch die Service-Level-Vereinbarung gefordert?
    • Wie viele Minuten oder Stunden Ausfallzeit pro Jahr sind zulässig?
    • Wie wird die Service-Level-Vereinbarung durchgesetzt?
  • Verfügt Ihre Organisation über einen vertraglich geregelten Auftrag für hohe Verfügbarkeit?
    • Wie lauten die Bedingungen dieses Auftrags?
  • Ist die ArcGIS Enterprise-Bereitstellung an erfolgsentscheidenden oder unternehmenskritischen Vorgängen beteiligt?
  • Verfügt Ihre Organisation über die korrekte Lizenzierung von Esri zum Implementieren einer hoch verfügbaren Bereitstellung?
  • Kann Ihre Organisation die erforderliche Hardware für die Unterstützung einer hoch verfügbaren Bereitstellung zur Verfügung stellen?
    • Verfügen Sie über die Hardwareressourcen zum Duplizieren jeder Komponente der Bereitstellung?
    • Sind Sie in der Lage, einen Load Balancer eines Drittanbieters zu konfigurieren und verwalten, der Failover ausführen kann?

Wichtige Konzepte von Hochverfügbarkeit

In den folgenden Abschnitten finden Sie Definitionen und Erläuterungen zu wichtigen Begriffen bei Systemen mit hoher Verfügbarkeit.

Load Balancer

Load Balancer fungieren als Reverseproxy und verteilen den Datenverkehr auf die Back-End-Server. In einer hoch verfügbaren ArcGIS Enterprise-Bereitstellung ist mindestens ein Load Balancer eines Drittanbieters erforderlich, um die Kapazität und Zuverlässigkeit der Software zu verbessern. Er kann den Client-Datenverkehr zu den Portal- und Server-Sites sowie internen Datenverkehr zwischen den Softwarekomponenten behandeln.

Obwohl ArcGIS Web Adaptor als Load Balancer gilt, eignet sich diese Komponente nicht als alleiniger Load Balancer in einer Hochverfügbarkeitsumgebung. Sie können ArcGIS Web Adaptor-Instanzen für jede ArcGIS Server-Site konfigurieren, um die Sicherheit und Anonymität zu verbessern oder Authentifizierung auf Webebene einzurichten. In diesen Fällen sendet der Drittanbieter-Load-Balancer Datenverkehr über Web Adaptor statt direkt an die ArcGIS Server-Computer.

Load Balancer müssen HTTP-Systemdiagnosen an den Endpunkt der Server-Systemdiagnose oder Portal-Systemdiagnose senden können. Ein Load Balancer erstellt und verwaltet die für die Bereitstellung verwendeten URLs. Diese werden im nächsten Abschnitt beschrieben.

Im Verbund verwendete URLs

In einer hoch verfügbaren ArcGIS Enterprise-Bereitstellung werden mehrere unterschiedliche URLs verwendet.

Services-URL

Diese URL wird von externen Benutzern und Client-Anwendungen für den Zugriff auf ArcGIS Server-Sites verwendet. Sie ist die URL für den Load Balancer, der ArcGIS Server-Datenverkehr verarbeitet und Anforderungen an die Web Adaptor-Instanz der Site oder direkt an die ArcGIS Server-Computer weiterleitet.

Verwaltungs-URL

Diese URL wird beim Ausführen von Verwaltungsvorgängen von Administratoren und intern vom Portal für den Zugriff auf eine ArcGIS Server-Site verwendet. Über sie muss die Weiterleitung an einen Load Balancer erfolgen. Wenn die Verwaltungs-URL auf einen einzelnen Computer in der ArcGIS Server-Site verweist und dieser Computer offline ist, kann kein Verbund hergestellt werden. Abhängig von der Architektur des Systems kann dies dieselbe URL wie die Services-URL sein, oder sie kann die URL eines zweiten Load Balancer sein.

Private Portal-URL

Dies ist eine interne URL, die von den Server-Sites für die Kommunikation mit dem Portal verwendet wird. Auch mit dieser muss die Weiterleitung an einen Load Balancer erfolgen, und sie muss vor dem Herstellen des Verbunds definiert werden. Wenn Sie vor dem Festlegen der privatePortalURL einen Verbund mit den ArcGIS Server-Sites herstellen, führen Sie die Schritte 8 und 9 unter Konfigurieren einer vorhandenen Bereitstellung für Hochverfügbarkeit aus, um die URL in der Bereitstellung zu aktualisieren. Wie bei der Verwaltungs-URL kann diese URL mit der öffentlichen URL für das Portal identisch sein, oder es kann die URL eines zweiten Load Balancer sein.

Überwachung

Jede ArcGIS Enterprise-Komponente ermöglicht das Behandeln des Ausfalls einzelner Computer in einer Bereitstellung. Wenn in einer hoch verfügbaren Komponente ein Computer ausfällt, wird der Betrieb des anderen Computer mit minimaler Unterbrechung oder ohne Unterbrechung fortgesetzt. Die Bereitstellung weist jetzt jedoch eine einzelne Schwachstelle auf und ist gefährdet. Es ist wichtig, dass die Bereitstellung und die einzelnen Computer überwacht werden, um Fehler schnell zu erkennen und Administratoren zu benachrichtigen, wenn einer oder mehrere Computer ausfallen. Dies kann mit ArcGIS Monitor oder der Überwachungssoftware eines Drittanbieters erreicht werden.

Personen und Verfahren

Um eine hoch verfügbare Bereitstellung zu erstellen und zu verwalten, muss die Organisation sicherstellen, dass Personen und Verfahren ebenfalls hoch verfügbar sind. Wenn Sie über nur einen Administrator verfügen und dieser während eines Ausfalls nicht verfügbar ist, handelt es sich nicht um eine hoch verfügbare Umgebung.

Die Verfahren in Ihrer Organisation sind ebenso wichtig. Wenn Sie virtuelle Maschinen verwenden, platzieren Sie nicht alle Komponenten einer einzelnen Softwareebene in einem einzelnen Host. Zum Beispiel sollten nicht zwei virtuelle Maschinen, auf denen ein hoch verfügbares Portal ausgeführt wird, sich in demselben Host virtueller Maschinen befinden, da dieser Host eine einzelne Schwachstelle ist.

Stellen Sie sicher, dass auf jeder Softwareebene mindestens eine Komponente ausgeführt wird, um hohe Verfügbarkeit aufrechtzuerhalten. Wenn Sie eine Komponente beenden oder neu starten müssen, stellen Sie sicher, dass auf den anderen Computer, auf dem dieselbe Komponente ausgeführt wird, zugegriffen werden kann und dass er ordnungsgemäß ausgeführt wird.

Planen Sie keine gleichzeitigen Sicherungen oder Wartungsmaßnahmen für alle Computer in einer hoch verfügbaren Komponente. Wenn der Patch oder die Sicherung bewirkt, dass alle Computer ausfallen, stehen keine Computer zur Verfügung, um die Aufgaben zu übernehmen. Weitere Anweisungen finden Sie unter Anwenden von Patches und Aktualisierungen auf hoch verfügbare Komponenten.

Speicher für Konfigurationsdateien und -daten

Eine der Herausforderungen für Kunden, die ArcGIS Enterprise lokal bereitstellen, ist das Beschaffen und Verwalten eines hoch verfügbaren Speichergeräts. Da ArcGIS Server und Portal for ArcGIS zum Einrichten von hoher Verfügbarkeit gemeinsam genutzten Speicher erfordern, kann dieser eine einzelne Schwachstelle sein. In einer lokalen Bereitstellung stellen Sie mit einem NAS-Gerät oder RAID sicher, dass der Speicher der Daten- und Konfigurationsdateien für ArcGIS Server und Portal for ArcGIS hoch verfügbar ist.

Cloud-Bereitstellungen bieten die Möglichkeit, für Daten- und Konfigurationsdateien einen Speicherort zu verwenden, der bereits hoch verfügbar ist: Amazon Simple Storage Service (S3)-Buckets in Amazon Web Services (AWS) oder BLOB-Speichercontainer in Microsoft Azure. Diese Speicherorte und ihre Verfügbarkeit werden vom Cloud-Anbieter verwaltet. Weitere Informationen finden Sie in der Dokumentation des jeweiligen Cloud-Anbieters.

Ortsgleiches Bereitstellen von Komponenten

Verwenden Sie für alle Komponenten und Speicherorte einer ArcGIS Enterprise-Bereitstellung mit hoher Verfügbarkeit dasselbe Rechenzentrum bzw. dieselbe Cloud-Region, um zwischen den einzelnen Komponenten eine Konnektivität mit geringer Latenz zu ermöglichen. Verteilen Sie die primären und Standby-Computer einer Bereitstellung mit hoher Verfügbarkeit nicht auf mehrere Rechenzentren.

Um sich bei einem einzelnen Rechenzentrum gegen Datenverlust zu schützen, können Sie in einem getrennten Rechenzentrum oder einer Cloud-Region eine sekundäre Bereitstellung erstellen. Unter Notfallwiederherstellung und Replikation erhalten Sie weitere Informationen.